Altern 1 - Sonnenstrahlenblumen~ Fotografie~Gedichte~Zitate

Sonnenstrahlenblumen
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Altern 1

Vom Alter(n)
 
 
Das Bewustsein der Verbundenheit
mit früheren Generationen kann
wie eine Rettungsleine durch
die schwierige Gegenwart sein.

Jon Dos Passos
 
 
 
 
Brief einer Großmutter an ihren sechsjährigen Enkel
  
Dir kann ichs ja sagen,
Dass ich nicht weiß, warum die Sonne aufgeht und warum die Erde sich dreht
Warum unsere Herzen schlagen und wie man die Liebe in sich selbst findet.
Denn ich muss dich nicht erziehn
Und so tun, als könnte ich dir die Welt erklären.
Ich bin nur dazu da, ein bisschen Halt und Wärme in dein Leben zu bringen:
Geschichten erzählen und Kuchen backen, Fische füttern und Lieder singen -
Eine kleine Welt voll von kicherndem Vertrauen.

Dir kann ichs ja sagen,
Dass ich nicht weiß, warum der Wind weht und die Bäume rauschen,
Warum wir sterben müssen, wenn wir endlich ein paar Dinge verstanden haben
Und woher die Sehnsucht in unseren Herzen kommt.
Frag Mama und Papa, die erklären dir alles.
Als dein Papa noch Kind war, habe ich ihm auch erklärt
Warum die Menschen auf der Welt sind,
Wie man sich benimmt und was falsch oder richtig ist.

Dir kann ichs ja sagen,
Dass Mama und Papa in Wirklichkeit nicht mehr wissen als du.
Aber sie lügen nicht, sondern sie lieben dich so,
Dass sie dir den Halt geben wollen, den du jetzt noch brauchst:
Den festen Glauben, man könne alles verstehen,
Man könne alles richtig machen
Und Mama und Papa wüssten Bescheid.
Aber eigentlich bist du es, der ihnen beim Leben hilft,
Weil deine strahlenden Augen
Ihnen den verlorenen Glauben an das Paradies wieder geben.

Auch ich weiß nicht, warum die Sonne aufgeht und warum die Erde sich dreht
Warum unsere Herzen schlagen und wie man die Liebe in sich selbst findet.
Ich weiß nur, dass die Erde kein Ort der Ruhe und des Friedens ist,
Dass Glück sich immer nur in Augenblicken bemisst
Und dass man immer weniger weiß, je mehr man versteht.
Ich weiß, dass dein Leben nicht immer leicht sein wird,
wenn du dir selbst treu bleiben willst.
Aber ich weiß auch, dass es dadurch immer reicher wird.
Ich wünsche dir, dass du die Liebe findest und dich nicht verurteilst,
Wenn du einmal von deinem Ziel abkommst.

Sag immer „ja“ zu deinem Leben.
Es geht zwar manchmal seltsame Wege, aber
Es wird dir nie mehr aufbürden, als du schaffen kannst.
Ich weiß, dass es nicht darum geht, gut zu sein, sondern wahrhaftig.
Und dass der einzige Sinn des Lebens in seiner Schönheit liegt,
Die erst vollkommen wird durch unsere glitzernden Tränen.

http://www.beate-lambert.de/
beate-lambert 
 
 
 
Es gibt keine Wiederholungen, 
allenfalls Fortsetzungen.

Georg Wilhelm Exler
 
 
 
Brief einer Mutter an ihre Tochter

Mein liebes Mädchen,
an dem Tag, an dem du merkst, dass ich langsam alt werde, sei bitte geduldig mit mir und versuch zu verstehen, was ich durchmache.
Wenn wir miteinander reden und ich die gleiche Sache tausendmal wiederhole, unterbrich mich nicht, um mir zu sagen: „Mama, das gleiche hast du vor einer Minute schon gesagt.“ 
Bitte, hör mir einfach nur zu. Weißt du noch, wie ich dir, als du noch klein warst, Abend für Abend die gleiche Geschichte vorlesen sollte, bis du eingeschlafen warst?
Wenn ich keine Lust habe, ein Bad zu nehmen, sei mir nicht böse und zwing mich nicht dazu - erspare mir die Scham. Erinnerst du dich daran, wie ich hinter dir her gerannt bin, 
als du noch ein kleines Mädchen warst? Du wolltest nicht unter die Dusche und hattest immer eine Ausrede.
Wenn du merkst, wie schwer mir all die neuen Dinge fallen, gib mir die Zeit sie zu verstehen und schau mich nicht mitleidig an. 
Denk immer dran: Ich habe dir mit aller Geduld beigebracht, wie man anständig mit Messer und Gabel isst, sich ordentlich anzieht,
 sich die Haare kämmt und den Steinen ausweicht, die das Leben einem in den Weg legen wird.
An dem Tag, an dem du bemerkst, dass ich langsam alt werde, sei bitte geduldig mit mir und versuch zu verstehen, was ich durchmache.
Wenn wir uns unterhalten und ich ab und zu den Faden verliere, gib mir die Zeit, ihn wieder zu finden. Falls mir das nicht gelingt, 
werde bitte nicht ungeduldig oder aufbrausend. Du sollst in deinem Herzen immer wissen: Das Wichtigste für mich ist die Zeit, die ich mit dir verbringe.
Und wenn meine alten, schwachen Knochen mich nicht mehr tragen wie früher, reich mir deine Hand – so wie ich dir meine reichte, als du deine ersten Schritte liefst.
Wenn der Tag kommt, an dem du merkst, dass ich alt werde, sei nicht traurig. Bleib an meiner Seite, unterstütze mich und liebe mich, bis ich das Ende meines Lebens erreiche. 
Ich danke dir für jeden Moment, den wir miteinander verbringen. Ich weiß das wirklich zu schätzen. 
Mit einem großen Lächeln im Gesicht und all der Liebe in meinem Herzen möchte ich dir sagen:

Ich liebe dich, meine Tochter.

Originaltext im Spanischen von Guillermo Peña.

 
 
 
Die fünf Gebote für Senioren...

Das erste Gebot:
Ihr sollt nicht immer von Krankheiten reden!
Irgendwas plagt heut doch Jeden.-
Ein bischen Rheuma,ein schlechtes Gehör,
verschlissene Knochen,das Gehen fällt schwer.
Der Kreislauf wird träger und schlechter das Sehen.
so wie einst kann keiner mehr tanzen gehen.-
Trotzdem ist das Leben immer noch schön,
man muß nur die kleinen Dinge sehn.
So wie die Schneeglöckchen tapfer stehn,
die Kinder sich beim Spielen drehn,
Osterglocken heraus sich schieben,
die Sträucher sich schmücken mit neuen Trieben.
Und über allem lacht die Sonne,
Freunde,-das Leben ist doch eine Wonne.

Das zweite Gebot
Ihr sollt mit eurer Rente nicht sparen,
ihr habt sie erschuftet in vielen Jahren.-
Jetzt gönnt euch noch was Schönes vom Leben,
nicht alles sollt ihr den Enkeln geben.-
Ihr habt nach dem Krieg mit Null angefangen,
so ist es den Jungen noch nie ergangen.-
Und stets ins gemachte Bett sich zu legen,
ist nicht so unbedingt ein Segen.-
Haut auf die Pauke und macht es euch schön,
wer weiß wie die nächsten Tage aussehn.
Doch noch lacht über allem die Sonne,
Freunde,-das Leben ist doch eine Wonne.

Das dritte Gebot:
Ihr sollt Euch getrost in der Welt umsehn,
nicht nur in den nahen Stadtgarten gehn.
Fahrt ins Gebirge,oder auch an die See,
gönnt euch die Sonne,das Wasser, den Schnee.
Es treibt euch niemand,jetzt habt ihr Zeit,
die Welt ist so schön und herrlich weit.
Dann erfreut jeden wieder die heimische Sonne,
Freunde,-das Leben ist doch eine Wonne.

Das vierte Gebot:
Niemals sollt ihr resignieren,-
und vom Gerede der Leute nicht irritieren.-
Seid ihr noch zusammen,- ein älteres Paar,
seid dankbar dafür,es ist wunderbar.
Einsamkeit kann oft schrecklich sein,
sucht die Gesellschaft,-bleibt nicht allein.-
Gebt Wärme,-genießt die Gemütlichkeit,
vorallem auch die Zärtlichkeit.
Es gibt gar nichts schöneres unter der Sonne,
Freunde,-das Leben ist doch eine Wonne.-

Das fünfte Gebot:
Eure Hände sollt nicht in den Schoß ihr legen,
Wo wie ihr noch könnt,Geist und Glieder bewegen.-
Geht schwimmen und wandern,macht Gymnastik und Tanz,
dann bleibt ihr fit und schenkt euch Glanz.
Bei Diskussionen spitzt das Ohr,
-sprecht mit den Jungen,-
so lernt ihr dazu.-
Denn der Geist braucht Bewegung und nicht die Ruh'.
So steht ihr noch lange und frisch in der Sonne,
Freunde, -das Leben ist doch eine Wonne!

Verfasser unbekannt

 
 
 
Gedanken

Ein alter Mensch hat eine Art Truhe in sich

Gefüllt mit Erfahrungen. Nein! mit einer Mischung
aus Erfahrungen und Irrtümern. Und es ist wichtig,
die Irrtümer herauszufinden. Zum Beispiel: Was für
mich galt, ist Gottes Wille mit allen Menschen.

Oder: Die Jungen machen alles falsch. Oder: Die
Jungen können nicht leben ohne unsere Erfahrungen.
Ich weiß, es ist ein Jammer um den reichen Schatz,
der mit uns zu Grabe gehen wird. Aber Erfahrungen
lassen sich nun einmal nicht vererben.

Oder: Meine Kinder sind meine Kinder, solange ich
lebe. Irrtum: Sie sind erwachsene Menschen. Oder:
Ich muß ihnen sagen, daß ich mich sorge um ihre
Zukunft. Irrtum. Begleiten wir sie, wenn sie es wollen,
denken wir mit ihnen. Beten wir für sie und verdüstern
ihnen nicht die Sonne. Das Bild junger Bäume zwischen
den alten ist schön.

Verfasser unbekannt
 
 
 
 
 
Und wenn wir alt sind, merken wir, dass es zu spät ist, so zu leben.‘‘

Alexander Pope

 
 
 
 
Zufrieden im Alter

Ich möchte im Alter zufrieden
und lächelnd zurückschauen
und sagen können,
ich habe Fehler gemacht,
war manchmal unvernünftig,
habe oft gängigen Regeln ignoriert.
Ich hab zu oft verziehen,
habe das Leben geliebt,
bin aus der Reihe getanzt,
habe gestaunt wie ein Kind,
und doch,
es war verrückt,
es war gefühlvoll,
ich habe geliebt,
ich habe „gelebt“.

Verfasser unbekannt

 
 
 
Demenz

erinnerungen, die die krankheit frißt
vergessen was gewesen ist

freude, liebe, leid und trauer
einfach fort, nicht mehr von dauer

alles was mal war im leben
ist jetzt weg - hat´s nie gegeben

dieser mensch kennt dich nicht mehr
und die augen blicken leer

kannst nichts tun - nur noch warten
so schlimm es ist - ein abschied auf raten

Verfasser unbekannt

 
 
 
Er wurde alt
und vergaß
was ist

Er wurde alt
und wusste
nur noch
was früher gewesen

Er wurde alt
und vergaß
was früher gewesen

Er wurde alt
und vergaß
vorgestern
sich selbst

Er wurde jung
jetzt da er
auch das vergessen
vergaß

Kurt Marti
 
 
 
Man kann nichts dagegen tun, daß man altert,
aber man kann sich dagegen wehren, daß man veraltet.

 Lord Samuel 
 
 
 
Sehr alte Menschen sind still von innen her. 
Sie haben eine Würde, die nicht aus Leistung, sondern aus ihrem Sein kommt. 
In ihrem Wesen wird etwas gegenwärtig, das kaum anders, als mit dem Begriff des Ewigen bezeichnet werden kann

Romano Guardini 

 
 
 
Selig die, 

die Verständnis zeigen für meinen stolpernden Fuß und meine lahme Hand.
Selig, die begreifen, dass mein Ohr sich anstrengen muss, 
um alles aufzunehmen, was man alles spricht.
Selig, die zu wissen scheinen, dass meine Augen trüb 
und meine Gedanken träge geworden sind.
Selig, die mit freundlichem Lächeln verweilen, um ein wenig mit mir zu plaudern.
Selig, die niemals sagen: „Das haben Sie mir heute schon zweimal erzählt."
Selig, die es verstehen, Erinnerungen an frühere Zeiten, in mir wachzurufen.
Selig, die mich erfahren lassen, dass geliebt, geachtet und nicht allein gelassen worden bin.
Selig, die in ihrer Güte, die mir noch bleiben, erleichtern.

Seligpreisungen eines alten Menschen aus Afrika 
 
 
 
Ein Lebensprogramm für das dritte Alter

Immer für jemanden da sein, immer etwas zu tun haben, darin liegt das Geheimnis, 
wie man alt werden und zugleich jung bleiben kann. Wer liebt, wird nicht alt.
Nicht nachlässig werden. Körper, Geist und Seele in Form halten.
 So sind wir weniger auf andere angewiesen.
Immer daran denken, dass andere schlechter dran sind als wir. 
Der beste Weg, um den eigenen Schmerz zu lindern, besteht darin, 
die Last anderer auf sich zu nehmen.
Schauen auf die tausend kleinen Dinge, die wir können. Jeder Tag hat seine Sonnestrahlen: 
Sich bewegen können, hören, lesen, sich unterhalten, dienen, lächeln, verzeihen, beten...
Alles fern halten, was unserem alt werden schaden kann: Müßiggang, Egoismus, 
Abkapselung, innerer Groll, Eifersucht, Neid.
Nicht in der Vergangenheit und nicht in der Zukunft leben. 
So gut es geht, den jetzigen Moment leben; er ist immer neu und voller Hoffnung.
Sich nicht aufdrängen und sich nicht verschließen. 
Verfügbar bleiben, für das, was wir tun können.
Mitmachen bei allem, was für ältere Leute getan wird: Für sie und mit ihnen.
Eine besondere Liebe zu den jungen Leuten haben, sich für ihre Zukunft interessieren, 
sie nach ihren Ideen fragen, teilnehmen an ihrem Leben und sich an 
die Wünsche und Freuden der eigenen Jugendzeit erinnern.
Wenn wir den jungen Menschen die Begeisterung geben können, 
so schenken wir ihnen das Vertrauen; 
werden wir zu Werkzeugen der Eintracht und des Verstehens: 
das ist eine große Lebensaufgabe.
Das Altwerden annehmen mit allem, was es mit sich bringt. 
Die eigenen Grenzen akzeptieren.
 In besonderer Weise die Tugenden des dritten Alters betonen: 
Weisheit, Wohlwollen, Güte, Geduld, Gelassenheit, Friede.
Was unseren Geist jung erhält, ist der Glaube; was unser Herz jung erhält ist die Liebe; 
was unseren Willen jung erhält, ist die Hoffnung; was unser Leben jung erhält, ist Christus. 
Denn er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Sich nicht unnötig beunruhigen. Gott sorgt für das Wichtigste: die Liebe. 
Und sie wird uns nie fehlen.
Das Alter befreit uns von den Dingen dieser Welt. 
Es ist also die Zeit an das zu denken, was uns erwartet.
Nicht klagen über das Schöne, das vergangen ist; sich freuen, dass es gewesen ist; 
Gott danken, dass Er es uns geschenkt hat.

 Grundsätze der französischen Bewegung für das dritte Alter "Vie Montante" 

 
 
 
Herr, Ich spüre, dass ich älter werde. 

Ich ahne, dass ich bald zu den Alten gehöre. 
Du weisst das auch. 
Bewahre mich vor allem, was manche Alten so unbeliebt macht.
Behüte mich vor Geschwätzigkeit. 
Lass mich nicht meinen, ich müsse mich bei jeder Gelegenheit zu allem äußern. 
Gib mir die Einsicht, dass ich zuweilen auch Unrecht haben kann.
Befreie mich von dem eitlen Verlangen, 
jedermanns Angelegenheiten in Ordnung bringen zu können. 
Halte mich frei davon, den anderen alle Einzelheiten meines Alltags aufzudrängen.
Schenke mir Geduld, wen andere mir ihre Leiden klagen; aber versiegle meine Lippen, 
wenn ich meine eigenen zunehmenden Schmerzen und Gebrechen ausbreiten möchte. 
Und wenn ich doch darüber spreche, dann lass es mich so tun, 
dass Deine Güte dadurch nicht verdunkelt wird.
Mache mich hilfsbereit, aber nicht geschäftig; fürsorglich, aber nicht herrschsüchtig.
Am Ende aber lass mich nicht einsam sein. 
Ich brauche dann ein paar Freunde, lieber Herr, gute Freunde. 
Das weißt Du auch.
Aber vor allem brauche ich Dich. 
Bitte, gestalte mich um in Dein Bild, 
lass mich reif werden und mich freuen auf die Ewigkeit.

Gebet einer unbekannten Ordensfrau 
 
 
 
Lebensregeln für ältere Menschen im Umgang mit Jüngeren

Du sollst Dir klar machen, dass die Jüngeren, 
die Verwandten oder sonst lieben Menschen beiderlei Geschlechts ihre Wege nach ihren eigenen (nicht deinen) Grundsätzen, 
Ideen und Gelüsten zu gehen, 
Ihre eigenen Erfahrungen zu machen und nach ihrer eigenen (nicht deiner) Fasson selig zu sein und zu werden, das Recht haben.
Du sollst ihnen also weder mit deinem Vorbild, noch mit deiner Altersweisheit,
 noch mit deiner Zuneigung, noch mit Wohltaten nach deinem Geschmack zu nahe treten.
Du sollst sie in keiner Weise an deine Person binden und dir verpflichten wollen.
Du sollst dich weder wundern, noch gar ärgern und betrüben, wenn du merken musst, 
dass sie öfter keine oder nur wenig Zeit für dich haben, dass du sie, 
so gut du es mit ihnen meinen magst und so sicher 
du deiner Sache ihnen gegenüber zu sein denkst, 
gelegentlich störst und langweilst, und dass sie dann unbekümmert an dir und deinen Ratschlägen vorbei brausen.
Du sollst bei diesem Tun reumütig denken, dass du es in deinen jüngeren Jahren 
den älteren Herrschaften gegenüber vielleicht (wahrscheinlich) ganz ähnlich gehalten hast.
Du sollst also für jeden Beweis von echter Aufmerksamkeit und ernstlichem Vertrauen, 
der dir von ihrer Seite widerfahren mag, dankbar sein; 
du sollst aber solche Beweise von ihnen weder erwarten, noch gar verlangen.
Du sollst sie unter keinen Umständen fallen lassen, sollst sie vielmehr,
 indem du sie freigibst, in heiterer Gelassenheit begleiten, 
im Vertrauen auf Gott auch ihnen das Beste zutrauen, sie unter allen Umständen lieb haben und für sie beten.
 
Karl Barth
 
 
 
Im hohen Alter

Im hohen Alter, so glauben gewöhnlich die anderen,
oft aber auch die Greise selbst, lebt man nur die einem
noch verbleibende Zeit ab. Das Gegenteil ist der Fall,
das hohe Alter ist - sowohl für die alten Menschen
selbst wie auch für die anderen der wertvollste und
notwendigste Lebensabschnitt. Der Wert unseres
Lebens ist der Entfernung vom Tode quadratisch
umgekehrt proportional. Es wäre schön, wenn die
alten Menschen selbst und auch ihre Umgebung
dies begriffen.

Leo N. Tolstoi 
 
 
 
Ein 92-jähriger Mann beschloss nach dem Tod seiner Frau, ins Altersheim zu gehen.
 Die Wohnung schien ihm zu groß, 
und er wollte für seine letzten Tage auch noch ein bisschen Gesellschaft haben,
 denn er war geistig noch in guter Verfassung.
Im Heim musste er lange in der Halle warten, 
ehe ein junger Mann zu ihm kam und mitteilte, 
dass sein Zimmer nun fertig sei. Er bedankte sich und lächelte seinem Begleiter zu, 
während er, auf seinen Stock gestützt, langsam neben ihm herging.
Bevor sie den Aufzug betraten erhaschte der Alte einen Blick in eines der Zimmer und sagte.
 „Mir gefällt es sehr gut.“ Sein junger Begleiter war überrascht und meinte, 
er habe doch sein Zimmer noch gar nicht gesehen.
Bedächtig antwortete der alte Mann. 
„Wissen Sie, junger Mann, ob ich den Raum mag oder nicht, 
hängt nicht von der Lage oder der Einrichtung, 
sondern von meiner Einstellung ab, von der Art, wie ich ihn sehen will. 
Und ich habe mich entschieden, glücklich zu sein.
 Diese Entscheidung treffe ich jeden Morgen, wenn ich aufwache, denn ich kann wählen.
Ich kann im Bett bleiben und damit hadern,
 dass mein Körper dies und jenes nicht mehr so reibungslos schafft – 
oder ich kann aufstehen und dankbar sein für alles, was ich noch kann. 
Jeder Tag ist ein Geschenk, und solange ich meine Augen öffnen kann, 
will ich sie auf den neuen Tag richten, und solange ich meinen Mund öffnen kann, 
will ich Gott danken für all die glücklichen Stunden, 
die ich erleben durfte und noch erleben darf.
Sie sind noch jung, doch nehmen Sie sich den Rat eines alten Mannes zu Herzen. 
Deponieren Sie alles Glück, alle Freude, 
alle schönen Erlebnisse als Erinnerungen auf einem Spezialkonto, 
um im Alter über einen Schatz zu verfügen, von dem Sie zehren können, 
wann immer Sie dessen bedürfen. 
Es liegt an Ihnen, wie hoch die Einlagen auf dem Konto sind. 
Ich verrate Ihnen noch zwei einfache Tricks, 
mit denen Sie ihr Konto rasch wachsen lassen können:
Hegen Sie in Ihrem Herzen nur Liebe, und in ihren Gedanken nur Freude.
 In dem Bewusstsein, so ein Konto zu besitzen, 
verliert die Zukunft ihre Ungewissheit und der Tod seine Angst.“
Der junge Mann hatte staunend zugehört und bedankte sich nun mit einem strahlenden Leuchten in seinen Augen.
 Freudig drückte er den Arm des Alten und meinte:
 „Vielen Dank, soeben habe ich ein Erinnerungs-Konto bei meiner Bank eröffnet, 
und dieses Gespräch ist die erste Einlage.“
Mit diesen Worten öffnete er die Tür, um dem neuen Bewohner sein Zimmer zu zeigen.
Mit einem Schmunzeln sagte dieser: „Mir gefällt es sehr gut.“

Autor unbekannt
 
 
 
Dir, meiner Begleitung (unbekannt)

Dir, die/der neben mir steht,
möchte ich etwas sagen
Dich, die mich begleitet
möchte ich etwas fragen.
Ist das für dich so schwer
zu verstehen, warum ich dich
ständig frage. Wohin soll ich gehen?
Als ich jung war, wie du,
kannte ich meinen Weg,
ich musste niemanden fragen-
wann-wohin soll ich gehen?
Aber wie alles andere in Leben
Ist ewig das Kommen und Gehen
ich bin einmal gekommen, jetzt muss
ich langsam gehen. Aus diesem Grund
Liebe Begleitung, versuch mich zu verstehen
mich und meine Frage:
Wohin soll ich gehen?
Ich brauche keine Antwort,
ich brauche nur dich,
bleib bitte in meiner Nähe
lass mich nicht im Stich.

Verfasser unbekannt

 
 
 
Wusstest Du schon? 

Wusstest du schon das die Nähe eines Menschen
gesund machen
krank machen
tot und lebendig machen kann.
Wusstest du schon
dass das Anhören eines
Menschen Wunder wirkt
dass das Wohlwollen Zinsen trägt
dass ein Vorschuss an
Vertrauen hundertfach
auf uns zurückkommt.
Wusstest du schon
dass die Nähe eines Menschen gut machen
böse machen
traurig und froh machen kann.
Wusstest du schon
dass das Wegbleiben eines
Menschen sterben lassen kann
dass das Kommen eines Menschen wieder leben lässt.
Wusstest du schon
dass die Stimme eines Menschen
einen anderen Menschen
wieder aufhorchen lässt
der für alles taub ist.
Wusstest du schon
dass das Wort
die Augen eines Menschen
wieder sehen machen kann
einen, der für alles blind war der nichts mehr sah
der keinen sinn mehr sah in dieser Welt
und seinem Leben.
Wusstest du schon das Zeithaben
für einen Menschen
mehr ist als Geld 
mehr als Medikamente 
unter Umständen mehr als eine geniale Operation.
Wusstest du auch schon,
dass der Weg vom Wissen über das Reden zum Tun unendlich sein kann.
Wusstest du schon dass tun
mehr ist als reden.
Wusstest du das alles schon?

Hilde Kalchgruber
 
 
 
Das Geheimnis der persönliche Veränderung ist, 
dass man sich mit all seiner Energie nicht darauf konzentriert, 
das Alte zu bekämpfen,
 sondern darauf, 
am Neuen zu bauen. 

Sokrates 

 
 
 
Mit fünfzig haben wir gelernt,
 uns mit unbeantworteten Fragen anzufreunden. 

Katrin Wiederkehr
 
 
 
Was bleibt

Vergessen,
Verwirrung,
Veränderung,
Was bleibt ist ein Mensch!

Angst,
Aggression,
Anstrengung,
Was bleibt ist ein Mensch!

Unsicherheit,
Hilflosigkeit,
Herausforderung.
Was bleibt ist ein Mensch!

Mit Sehnsucht und Liebe,
Freude und Leid,
Bedürfnissen nach
Zuwendung und Geborgenheit.
Was bleibt ist ein Mensch. Immer!

Mathilde Tepper
 
 
 
"Altwerden ist wie auf einen Berg steigen. 
Je höher man kommt, desto mehr Kräfte sind verbraucht, aber um so weiter sieht man.‘‘

Ingmar Bergman

 
 
 
Vom Vergessen

„Nun sag doch mal, mir fällt gerade der Name nicht ein!“
Die alte Dame schaut ihre Tochter hilflos an. Immer wieder vergisst sie die Namen ihrer Nachbarn und sogar die der Verwandten und engsten Freunde.
„Wen meinst du denn, Mutter?“
„Ich meine das Mädchen mit den Zöpfen, das in der ersten Klasse neben mir gesessen hat.“
Die Tochter überlegt. Sie weiß beim besten Willen nicht, wen die Mutter meinen könnte. 
Also zählt sie alle Namen auf, die ihr in den Sinn kommen und von denen sie schon einmal etwas gehört hat.
„Ist es die Ursula, oder die Elisabeth. Oder vielleicht die Margret?“
Die Mutter schüttelt nur verzweifelt den Kopf.
„Nein, die meine ich alle nicht!“, ruft sie und Tränen schimmern in ihren Augen.
„Ich hole mal das Fotoalbum“, schlägt die Tochter vor. Sie setzt sich neben die Mutter und gemeinsam blättern sie in den Erinnerungsbildern.
„Schau, Mama, da ist ein Foto mit all deinen Klassenkameraden. Meinst du dieses Mädchen mit den Zöpfen?“
„Ja, das ist sie. Wenn mir doch nur der Name einfiele.“
„Erzähl mir ein wenig von ihr, vielleicht kommt der Name dann zurück.“
Doch die Mutter mag nicht erzählen, es quält sie, dass sie sich manche Dinge nicht mehr merken kann. 
Es ist ja so, dass sie selbst merkt, wie vergesslich sie geworden ist. 
Jeden Abend vor dem Einschlafen bittet sie Gott darum, ihr zu helfen, denn sie möchte nicht so hilflos sein wie ihr Mann, 
der zuletzt nicht einmal mehr sie, seine eigene Frau erkannte. Dabei hatte er sie trotzdem geliebt, 
denn niemand anders durfte an seiner Seite sein, wenn es ihm so richtig schlecht ging, nur sie, seine Frau.
Damals hatte sie sich vorgenommen, alles aufzuschreiben, damit sie es nachlesen konnte, 
wenn sie selbst einmal vergesslich werden sollte. Aber sie hatte es nicht gemacht. Immer war etwas anderes wichtiger gewesen.
„Ab heute werde ich es tun“, dachte sie und nahm ein Heft, das lange dafür vorgesehen war. Sie schrieb:
„Es ist Sonntag. Heute habe ich lange über einen Namen nachdenken müssen. 
Er fiel mir einfach nicht ein. Mit meiner lieben Sarah zusammen habe ich die alten Fotos angeschaut und hatte keine Idee, 
wie meine Freundin …“, sie stutzte, plötzlich, war er da, der Name, Angelika!
„…wie meine beste Freundin Angelika geheißen hat. Ich bin so froh, dass ich nun endlich wieder weiß, 
an wen ich seit Tagen denken muss. Von nun an werde ich jeden Tag schreiben. Schreiben hilft!“

© Regina Meier zu Verl
 
 
 
Der junge Herbst und die Weisheit des Alters

“Gold”, sagte er. “Ich sehe überall Gold.”
Mit einer weit ausholenden Geste deutete der junge Herbst über das Land.
“Die Welt ist golden geworden. Die Blätter, die Gräser, die Früchte, die Blüten meiner späten Blumen.
 Alles leuchtet golden und das ist mein Werk. Ich, der frühe Herbst, bin der Meister des Goldes. 
Ich bin die schönste, die beste, die wertvollste Jahreszeit. Jaaaa …” Der frühe Herbst nickte zufrieden. 
“Man liebt mich nicht zuletzt meines Goldes wegen. Und all das habe ich, der junge Herbst, ganz alleine erschaffen.”
Er klang sehr zufrieden, ein bisschen überheblich fast.
“Welch große Worte du sprichst!”, meldete sich der späte Sommer zu Wort.
 “Die Vielfalt meines bunten Sommerkleides wirst du an Schönheit niemals übertreffen, junger Kollege. 
Was ist dein Gold gegen das Bunt und die helle Wärme meiner langen Tage? Es blendet und täuscht nur und es gaukelt einen Schein,
 der trügerisch ist und kurz. Bald wird dein goldenes Reich zerfallen und sich in Grau auflösen. Dem Grau deiner Zeit.”
“Du lügst!,” begehrte der frühe Herbst auf. “Und du bist voller Neid. Dein heiteres Bunt hat sich mit den ziehenden Vögeln verabschiedet. 
Es flieht vor dir und deinen schwindenden Kräften. Alt und nutzlos bist du geworden, Sommer. Du solltest dich von der Bühne des Lebens verabschieden … und gehen.”
Der Sommer schwieg für einen Moment. Er mochte nicht streiten. Streit war nutzlos und Kräfte raubend.
“Alt werden wir alle”, erwiderte er. „Auch du, junger Kollege. Aber nutzlos? Nein, das sind wir nicht. Wir werden es auch nie sein. 
Nicht, so lange wir in dem, was wir erschaffen haben, weiter leben. Und vor allem nicht, so lange wir in Erinnerung bleiben.”
Er sah den jungen Herbst, der ihm voller Zweifel lauschte, ernst an.
“Und ich, Kollege, werde in dir weiter leben. In dem, was ich geschaffen habe und …” Er nickte. “Ja, und du setzt mein Werk fort, vollendest es, 
legst Spuren für die, die nach dir kommen und wiederum dein Lebenswerk fortsetzen werden.”
Der junge Herbst, der sich ein Altwerden noch nicht vorstellen konnte, lachte auf.
“Ist es das, was man die Weisheit des Alters nennt?”
“Nicht des Alters.” Der Sommer nickte. “Es ist die Weisheit des Lebens. Das Rad der Zeit dreht sich weiter. Wir sind nur Staubkörnchen, 
die es auf seiner Wanderung durch die Ewigkeit für eine Weile begleiten. Und nun lebe wohl, mein Freund. Mein Weg ist hier zu Ende. 
Gehe du den deinen und mache ihn dir schön. Und golden. Du wirst es verstehen. Eines Tages.”

© Elke Bräunling
 
 
 
 
Ein Mensch

Neben dir da lebt ein Mensch
der sehr einsam ist, neben dir,
da wohnt ein Mensch,
den die Welt vergißt.
Dieser Mensch war auch mal Jung,
voller Stolz und Mut,
und besaß auch damals Schwung,
denn da ging´s ihm gut.
Nimm dich heute seiner an,
denn auch du wirst alt,
Dann hast du als alter,
Mensch auch mal einen Halt.

 Verfasser unbekannt
 
 
 
 
Die Bohne

Dieser Graf wurde sehr, sehr alt, weil er
ein Lebensgenießer par excellence war.
Er verließ niemals das Haus,
ohne eine Hand voll Bohnen einzustecken.

Er tat dies,
um die schönen Momente des Tages
bewusst wahrzunehmen und
sie besser zählen zu können.

Für jede positive Kleinigkeit,
die er tagsüber erlebte
– zum Beispiel: einen fröhlichen Plausch auf der Straße,
das Lachen einer Frau,
ein Glas guten Weines –
für alles, was die Sinne erfreut,
ließ er eine Bohne
von der rechten in die linke Jackettasche wandern.

Abends saß er zu Hause und
zählte die Bohnen aus der linken Tasche.
Er zelebrierte diese Minuten.
So führte er sich vor Augen,
wie viel Schönes
ihm an diesem Tag widerfahren war und
freute sich.

Sogar wenn er bloß eine Bohne zählte,
war der Tag gelungen –
es hatte sich zu leben gelohnt!

Verfasser unbekannt
 
 
 
Das Alter

Du wirst erst dann alt und weise,
wenn Du nicht mehr wie eine Ameise
ziellos durchs Unterholz rennst
und den Sinn des Lebens erkennst.
Auch wenn Du dann alt so manches vergisst
und in Deinem Leben nicht mehr alles genießt,
doch freust Du Dich auf manchen Sonntag,
an dem Büsche und Blumen schön sprießen,
dann betrachtest Du es innig mit Genießen.
Auch die kurze Zeit mit der Natur,
die grünt so hell im Alter nur
und betrachtest ohne Verdruss
selbst die Plagen des Alters dann mit Genuss,
da Du denkst an den ersten Kuss
und viele folgende voll Freude begleiten
auch wenn dann die Trennungen Kummer bereiten.
Auch im letzten Teil des Lebens
ist das Warten nicht vergebens,
denn es lässt uns erst erkennen,
dass es unnütz ist zu rennen,
um Freud und Leid zu trennen.
Hattest Du denn wirklich Zeit für das,
was sich lohnte
und nur teils in Dir wohnte?
Das Alter zeigt es Dir
und hat seinen Sinn auch darin. 

Otmar Kaschig
 
 
 
Das Alter

Alter hat viele Facetten und Geschichten,
so einiges kann man darüber berichten.

Die Rentner von heute
sind meist taffe Leute.

Während junge Leute am Computer sitzen
sieht man die Alten durch die Gegend flitzen -
sie haben immer was zu tun
und wenig Zeit, sich auszuruhn.

Nicht alle gehn an Rollator/Krücken,
man sieht sie sogar noch die Schulbank drücken,
sie studieren und lernen - die Alten,
um mit dem Fortschritt mitzuhalten.

Und haben sie die besseren Renten,
sind sie doch Superkonsumenten -
lassen die Silberlöckchen ondulieren,
gehn im Sonntagslook flanieren,
sie kaufen und reisen, genießen Kultur,
fahrn mit dem Radl in die Natur -
man hört sie selten jammern und klagen,
sie sind in Bewegung an allen Tagen -
zwischen Fitness-Studio und Physiotherapie
gehn sie noch tanzen, trotz Arthrose im Knie!

Macht sich mal die Einsamkeit breit,
wirds für ein Kaffeekränzchen Zeit -
oder sie bieten sich - dann und wann -
für fremde Kinder als Leihoma an,
lesen Märchen und Geschichten,
können aus anderen Zeiten berichten.
Sie haben Ruhe, Güte und Zeit
und sind zum Helfen gerne bereit.

Alt sein ist - und da lieg ich nicht schief -
doch weitestgehend relativ!

Doch es gibt auch die andern,
die nicht mehr radeln und wandern,
die im Altenheim in Betten liegen,
um noch zwei Mal im Jahr Besuch zu kriegen -
froh ist da jeder, der erkennt,
ich bin nur multimorbide, nicht dement!

Dank der Technik und Medizin
wird sich unser Leben in die Länge ziehn -
das muss die Politik im Auge behalten,
denn bald ist Deutschland das Land der Alten.

 Sylvia Treppte

 
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